Martin Ceglar dürfte den meisten Gästen aus der Seele gesprochen haben. "Ich bin kein ehemaliger Bergmann, ich bin Bergmann", sagte er in einem Videobeitrag, der am Mittwoch in "Cottmanns Hütte" gezeigt wurde. Dorthin eingeladen hatten Larissa Reckels (Herringen) und Thordis Ohnrich (Pelkum) von der Altengerechten Quartiersentwicklung, um sich mit den Besuchern an die Zeiten des aktiven Bergbaus in Herringen und Pelkum zu erinnern. Das alles fand im Rahmen der Reihe "Glückauf! den Halden" statt.

Dass die Kohle auch fast elf Jahre nach Einstellung der Förderung auf Heinrich Robert noch immer eine magische Anziehungskraft hat, wurde am Mittwoch - wieder einmal - deutlich. Corona-bedingt waren zwar nur 50 Besucher zugelassen. Anfragen habe es jedoch deutlich mehr gegeben, so die beiden Quartiersentwicklerinnen.
Zu denen, die einen der begehrten Plätze bekommen hatten, gehörten vier Bewohner des Caritas-Altenheims St. Josef in Herringen - drei Bergmänner und eine Bergmanns-Witwe. Für sie sei der Ausflug etwas ganz Besonderes, sagte Britta Kock vom Sozialen Dienst. Nicht nur, dass sich an diesem Nachmittag alles um ihren geliebten Bergbau drehe. "Sie waren auch zum ersten Mal überhaupt auf ,Cottmanns Hütte’. Corona-bedingt habe man leider nur wenige Bewohner eines Wohnbereichs mitnehmen können. Ansonsten hätte man fast schon alleine das ganze Kontingent an Plätzen ausschöpfen können. "Ich bin sehr froh, dass wir nach der langen Zeit des Lockdowns überhaupt wieder kleine Ausflüge mit unseren Bewohnern unternehmen können." Und das zu einem Thema, das in der Einrichtung schon immer eine wichtige Rolle gespielt habe.
Das freute auch Reckels und Ohnrich, die die Idee zu der Veranstaltung hatten. Unterstützt wurden sie unter anderem vom Förderverein "Kissinger Höhe", der nicht nur das Areal von "Cottmanns Hütte" als Treffpunkt zur Verfügung gestellt hatte. Mitglied Dirk Schimmer führte einen Teil der Besucher auch über die "Kissinger Höhe" und den dort gelegenen Bergbaulehrpfad.
Ebenfalls einen Einblick in die Welt des Bergbaus gewährte ein circa zehnminütiger Zusammenschnitt aus den zehn Interviews, die Ohnrich und Reckels in den vergangenen Wochen mit Menschen geführt hatten, die mit dem Bergwerk verbunden sind. Gertraud Lentz beispielsweise berichtete über ihre Zeit als Hausmeisterin auf Heinrich Robert. Rafet Baslarli bedankte sich bei seinem Vater dafür, dass er ihm die Zeit auf dem Bergwerk ermöglich habe. Und alle waren sich einig: Es war eine schöne Zeit.
Dass die noch nicht vorbei sein muss, berichtete Herringens Bezirksbürgermeister Klaus Alewelt. Zusammen mit seinem damaligen Pelkumer Kollegen Udo Schulte hatte er vor über zehn Jahren beantragt, wenigstens den Lichthof zu erhalten - und damit den Stein ins Rollen gebracht. Mittlerweile ist das Creativ Revier Heinrich Robert in aller Munde. Alewelt war dort am Sonntag Gast beim US-Car-Treffen. Dabei seien auch die weiteren Planungen vorgestellt worden. "Im nächsten Jahr wird sich dort einiges tun", sagte er.
Musikalisch umrahmt wurde die Erinnerungs-Veranstaltung vom Ruhrkuhle-Bergwerksorchester, das die Besucher mit zünftiger Blasmusik unterhielt. Zudem konnten sich die Besucher kostenlos an Suppen, Schnittchen und Getränken stärken. Um das Thema abzurunden, gab es am Ende ein Quiz rund um Heinrich Robert, bei dem Fragen wie "Wann war Teufbeginn? (1901) und "Welche Farbe hatten die Helme der Grubenwehr"? (Orange) beantwortet werden mussten. Für den Sieger Ralf Meininghaus gab es einen Bergbau Bildband.
Fazit von Reckels und Ohnrich: eine gelungene Veranstaltung, die nach einer Wiederholung schreit. Die wird es am 4. Dezember, dem Tag der hl. Barbara, auch geben. Im Schein von Fackeln und Grubenlampen ist für diesen Tag ein Spaziergang zwischen Herringen und Pelkum - oder umgekehrt - mit anschließender Einkehr geplant. (WA/Stefan Gehre)