Betreuung und Entlastung

Wie Sie Entlastung erhalten

Für pflegende und versorgende Angehörige bedeutet das häufig ein Verzicht auf freie Zeit und eine Mehrfachbelastung, besonders wenn es um die Versorgung eines dementiell veränderten Menschen geht.

Mit in Kraft treten des ersten Pflegestärkungsgesetzes (PSG I) zum 01.01.2015 wurden die Leistungen für Pflegebedürftige und Demenzerkrankte erheblich verbessert und die Unterstützung für die Pflege in der Familie ausgeweitet. Mit diesem Gesetz haben alle Pflegebedürftigen Anspruch auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen, nicht mehr nur Personen mit sogenannter eingeschränkter Alltagskompetenz.

Die verschiedenen Angebote sollen unter anderem Isolation und Vereinsamung bei Pflegebedürftigen vorbeugen und Angehörige sowie andere Bezugspersonen entlasten. Neben der Grund- und Behandlungspflege bietet die Caritas ein umfassendes Angebot von Betreuungs- und Entlastungsleistungen für

  • Pflegebedürftige, die durch ihre Einschränkungen nicht oder nur bedingt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können
  • Pflegende und versorgende Angehörige und Bezugspersonen
  • Personen mit einer einschränkten Alltagskompetenz (Demenzerkrankte)

Die Leistungen der Betreuungsangebote können ganz unterschiedlich sein und werden individuell im Erstgespräch mit der Pflegedienstleitung der Sozialstationen vereinbart. Das Erstgespräch findet in der Regel in der Häuslichkeit des Pflegebedürftigen statt. Die Pflegedienstleitung informiert über die unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten und spricht konkrete Angebotsinhalte und Zeiten ab.

Die Betreuungszeit richtet sich nach den individuellen Wünschen und Bedürfnissen der zu betreuenden Personen. In der Regel wird eine Betreuungszeit von Montag bis Freitag angeboten. Im Rahmen individueller Vereinbarungen besteht auch die Möglichkeit zu anderen Betreuungszeiten in den Abendstunden oder am Wochenende.

Betreuungs- und Entlastungsangebote:

Beispiele für Betreuungsangebote

Beaufsichtigung zur Entlastung von pflegenden Angehörigen

  • Reine Anwesenheit und Beaufsichtigung eines Pflegebedürftigen
  • Vermeidung von Gefahrensituationen in Abwesenheit der Pflegeperson bei vorliegender Eigen- oder Fremdgefährdung, z.B. Sturz

Training von Alltagskompetenzen und tagesstrukturierenden Maßnahmen

  • Gemeinsames zubereiten von Mahlzeiten
  • Gemeinsames Einkaufen
  • Gemeinsame Durchführung kleiner Tätigkeiten im Haus (Spülen, Abtrocknen, Staub wischen)

Anleitung und Unterstützung bei Aufnahme sinnhafter Beschäftigungen

  • Handarbeiten, Basteln
  • Gärtnern
  • Gesellschaftsspiele
  • Backen

Anregung und Unterstützung bei sozialen Kontakten

  • Begleitung zu Besuchen von Freunden, Verwandten, Friedhof etc
  • Begleitung zu kulturellen Veranstaltungen (Kirche, Seniorennachmittage)

Anregung zur Aktivität zum Erhalt und zur Förderung der Motorik

  • Balance- und Bewegungsübungen
  • Gedächtnistraining

Gespräche führen, Unterhaltung fördern mit dem Ziel der Aktivierung

  • Lesen und Vorlesen aus Büchern, Tageszeitung
  • Erinnerungsübungen (Ansehen von Fotoalben, Singen von bekannten Liedern)

Beispiele für Entlastungsangebote

Unterstützende Anleitung für pflegende Angehörige / Bezugspersonen

  • Vermitteln von Pflege-, Hebe- oder Lagertechniken
  • Einweisung in die Nutzung von Hilfsmitteln
  • Kenntnisvermittlung in Bezug auf krankheitsbedingte Ernährung

Anwesenheit bei Hausbesuchen

(Ärzte, MDK, Amtsgericht etc.)

  • Kontaktaufnahme zur Terminabstimmung
  • Vorbereitung des Hausbesuches und vorbereiten erforderlicher Unterlagen

Hilfe bei der Antragsstellung

  • Anfordern der Antragsunterlagen
  • Hilfestellung beim Ausfüllen des Antrags

Hilfsmittelbesorgung

  • Kontaktaufnahme mit dem Leistungsanbieter
  • Anwesenheit bei Lieferung und Entgegennahme

Rezeptbesorgung

  • Bestellen des Rezepts
  • Abholen und Einlösen des Rezepts

Begleitung außerhalb des Hauses

  • Gemeinsamer Besuch bei Angehörigen/Freunden/ Bekannten
  • Begleitung zum Friedhof
  • Organisation einer Begleitung zum Arzt
  • Begleitung zum Gottesdienst
  • Allgemeiner Spaziergang

Hauswirtschaftliche Hilfen

  • Reinigen der Wohnung
  • Wäschepflege
  • Einkäufe

Finanzierung der Angebote

Die Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach § 45 SGB XI sind Erstattungsleistungen. Das heißt, dass die Pflegekasse die Kosten dieser Leistungen dem Pflegebedürftigen erstatten. Eine direkte Auszahlung der Leistungen ist nicht möglich. Liegt dem Pflegedienst eine Abtretungserklärung des Klienten vor, so kann der ambulante Dienst direkt mit dem Kostenträger abrechnen.

Für die Finanzierung stehen dem Klienten folgende Budgets der Pflegeversicherung zur Verfügung:

  • Seit dem 01.01.2015 erhalten alle Pflegebedürftigen Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Höhe von 104 €. Liegt eine eingeschränkte Alltagskompetenz vor, erhöht sich der Betrag auf 208 € monatlich.
  • Die Erstattung der Aufwendungen für Betreuungs- und Entlastungsleistungen kann auch aus Mitteln der Verhinderungspflege erfolgen. Jedem Pflegebedürftigen steht ein Betrag von 1.612 € pro Jahr zur Verfügung.
  • Nicht genutzte Sachleistungen können in Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach § 45b umgewandelt werden.