Auf Vermittlung der Jugendberufshilfe des Kommunalen Jobcenters hat es eine Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Realschule vereinbart. Ziel ist es, junge Menschen für eine Ausbildung in der Altenpflege zu gewinnen.
Aktuell fehlen deutschlandweit derzeit rund 30 000 Fachkräfte. Aufgrund des demografischen Wandels dürfte diese Zahl nach Einschätzung von Experten bis 2020 auf bis zu 220 000 ansteigen - Zahlen, die auch vor den Altenheimen sowie den ambulanten Pflegediensten in Hamm nicht Halt machen. Allein zwischen August 2013 und Juli 2014 wurden über den Bezirk Hamm der Agentur für Arbeit 165 Fachkräfte in der Altenpflege gesucht.
Nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind da die 25 angehenden Altenpfleger, die sich derzeit im Fachseminar für Altenpflege am Berufsförderungswerk (bfW) Hamm auf ihre Abschlussprüfung vorbereiten. "Ohne sich bewerben zu müssen, haben bereits alle eine Stelle gefunden", schilderte Christian Ley vom Fachseminar. Sie hätten sich den Arbeitsplatz aussuchen können. Regelmäßig erreichten ihn Nachfragen von Hammer Altenheimen nach Fachkräften.
Fachkräftemangel hat auch Hamm erreicht
Kommunen wie Solingen seien mittlerweile sogar so weit, dass sie Fachkräfte im Ausland - in diesem Fall Spanien - anwerben, wusste Manfred Hielen (Kommunales Jobcenter) zu berichten. Aber auch im Erzbistum Paderborn gebe es derartige Bestrebungen, schilderte Elisabeth Mischke, Leiterin des Altenheims St. Josefs. Aktuell gebe es in ihrem Haus noch keinen Fachkräftemangel. Um den auch in Zukunft zu verhindern, setzt das Altenheim auf die Ausbildung. "Aktuell haben wir elf Auszubildende."
Im Idealfall werden 2016 auch einige Entlassschüler der Friedrich-Ebert-Realschule eine Ausbildung im Herringer Altenheim beginnen. Nach Angaben von Susan Parsiani, die als Lehrerin an der Realschule arbeitet, wollen 15 bis 17 Schülerinnen der 9. Klassen an einem freiwilligen Projekt teilnehmen, das in zwei Wochen im Altenheim St. Josef beginnt. Bis zum Projektabschluss Mitte November werden immer mittwochs zwischen 14 und 16 Uhr verschiedene Themen aus dem Bereich der Altenpflege aufbereitet. Begleitet werden die Schülerinnen dabei von den Pflegefachkräften Justine John und Marlene Preuß, die beide im Altenheim St. Josef ihre Ausbildung absolviert haben.
Sie wollen unter anderem Themen wie die körperlichen Auswirkungen des Alterungsprozesses oder Krankheitsbilder im Alter darstellen. Mithilfe externer Kräfte sollen aber auch Themen wie "Wohnen im Alter" (Karin Korittke, Wohnungsagentur für Senioren und Behinderte) und "Ausbildung und Berufe in der Pflege" (Christian Ley) im Rahmen des Projekts, an dessen Ende die Teilnehmerinnen ein Zertifikat erhalten, besprochen werden. "Durch das praxisorientierte Projekt möchten wir bei den Schülern auch Hemmschwellen abbauen", formulierten Hie- len, Mischke und Parsiani sowie die beiden Bildungsbegleiter Matthias Kiening und Marlies Rogge-Apolte ein weiteres Ziel. "Wir hoffen, dass sich möglichst viele Teilnehmerinnen im Frühjahr für ein Praktikum bei uns und später für eine Ausbildung in der Altenpflege entscheiden", so Mischke, die es zudem freuen würde, wenn die Teilnehmerinnen als Multiplikatoren auftreten und Werbung für den Beruf des Altenpflegers betreiben könnten.
Derartige Kooperationen zwischen einer Schule und einer Pflegeeinrichtung kann sich Hielen auch an anderen Stellen im Hamm vorstellen - auch und gerade vorm Hintergrund des Fachkräftemangels.