
"Die Caritas Hamm hat im Zuge der Fluchtbewegung 2015 einen eigenen Migrationsdienst aufgebaut, der sich um Geflüchtete in Hamm kümmert und die weitere Entwicklung mit Sorge betrachtet," eröffnet Caritas Hamm Vorstand Elmar Marx mit den Gründen, warum die Caritas Hamm um die Wanderausstellung Klimawandel und Flucht, die zurzeit in der Agneskirche zu sehen ist, organisiert hat. Dazu ergänzt als Mitveranstalter Pfarrer Bernd Mönkebüscher: "Migration und Integration sind ureigene Themen der Kirche. Die Solidarität mit Fremden und die Begegnung mit anderen Kulturen sind Kernbestandteile der christlichen Identität. Der biblische Auftrag, allen Fremden Schutz, Gastrechte und Solidarität zu gewähren, ist für uns selbstverständlich. Und Schutz und Zuflucht suchen, ist auch eine Folge des Klimawandels." Die Ausstellung zeigt an Beispielen die Zusammenhänge zwischen Klimakatastrophen, deren Wirkung und Flucht auf.
Der globale Klimawandel führt zu einer Häufung von starken Tropenstürmen und Orkanen, zu einer Verlängerung der Trockenperioden und zu häufigeren Dürren. Das Ausmaß und die Häufigkeit von Starkregen und die damit verbundenen Fluten und Überschwemmungen steigen weltweit immer besorgniserregender. Auf althergebrachtes Wissen über Regenperioden, Aussaatzyklen und Ernten können sich Landwirte verstärkt im globalen Süden kaum mehr verlassen. Längere Regenperioden führen aber auch zur Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten wie CSSVD. Das Virus, das von Blattläusen verbreitet wird, führt unter anderem zum Absterben von Kakaobäumen.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Existenz der Menschen in Teilen Asiens und Afrikas sind schon heute so gravierend, dass sie keine andere Perspektive mehr sehen, als ihre Heimat zu verlassen. Bis zum Jahr 2050 könnte es über 140 Millionen Klimaflüchtlinge geben. Am härtesten trifft es jedoch die, denen die Mittel zur Flucht fehlen.
Die Gründe der Klimaflucht sind vielfältig und von Region zu Region unterschiedlich. So sorgt der steigende Meeresspiegel in Ländern wie Bangladesch und Vietnam zum Beispiel dafür, dass Küsten- und Delta-Regionen immer häufiger überschwemmt und Ackerflächen durch das salzhaltige Wasser zerstört werden. In vielen südasiatischen Ländern und afrikanischen Ländern südlich der Sahara nehmen Dürren, Stürme und andere Extremwetterereignisse zu. Die Menschen verlieren oft nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihre kleinbäuerliche Existenz. Die Menschen hält nichts mehr in ihrer Region - sie werden Klimaflüchtlinge.
Der Klimawandel gilt zu Recht als Klimakatastrophe, denn er bedroht die Existenz von mindestens zwei Milliarden Menschen. Das vergangene Jahr ist laut EU-Klimawandeldienst Copernicus nur knapp unterhalb der 1,5-Grad-Schwelle geblieben. Die Temperatur lag global 1,48 Grad höher als im Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900. Es ist wahrscheinlich, dass die Temperaturen 2023 wärmer waren als in den vergangenen 100.000 Jahren.
Fachleute halten es durchaus für möglich, dass 2024 noch wärmer wird und das Gesamtjahr erstmals die 1,5 Grad-Schwelle reißen könnte.
"Doch sozialer Frieden ist auf Dauer nur möglich, wenn wir lernen, nachhaltiger zu leben," mahnt Marx zum Abschluss seiner Eröffnungsrede und ergänzt. "Die Länder des Globalen Nordens müssen als wesentliche Verursacher des Klimawandels ihre Verantwortung stärker wahrnehmen. So sind die durchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionen in den ärmsten Ländern der Welt, wie dem Niger, Somalia und der Zentralafrikanischen Republik, mehr als 140-mal kleiner als die durchschnittlichen Pro-Kopf Emissionen in Deutschland. Hinzu kommt, dass die Länder des Globalen Nordens eine historische Verantwortung für den Klimawandel tragen, da der allergrößte Teil der Emissionen, der sich seit der Industrialisierung in der Atmosphäre angesammelt hat, auf ihr Konto geht. Doch am stärksten von den Folgen betroffen sind die Teile der Weltbevölkerung, die am wenigsten dafür verantwortlich sind."
In der Unternehmenskultur der Caritas Hamm sei das Thema Nachhaltigkeit bereits fest verankert. Nicht nur durch Worte, sondern durch fest terminierte, fortlaufende Schulungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und konkrete Ergebnismessungen wie zum Beispiel beim täglichen Papierverbrauch, der Reduzierung von Essensresten oder der E-Mobilität.
Wer die Ausstellung, die noch bis zum 17. März zu sehen ist, besuchen möchte, kann dies zu den Öffnungszeiten vor und nach den Gottesdiensten, sonntags von 15:00 - 17:00 Uhr oder einen Termin für Gruppen im Pfarrbüro, unter Tel.: 02381 4915401, vereinbaren.