Heute kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Secondhand ist für viele längst keine Frage des Geldbeutels mehr, sondern eine bewusste Entscheidung für einen nachhaltigeren Konsum. Im FAIR-Kaufhaus treffen deshalb unterschiedliche Generationen und Lebenswelten ganz selbstverständlich aufeinander. Vom 7. bis 11. September feiert das Kaufhaus sein zehnjähriges Bestehen mit einer Aktionswoche.
Die Zehn steht im Mittelpunkt: Elisabeth Horn, Leiterin des FAIR-Kaufhauses der Caritas Hamm, lädt vom 7. bis 11. September zur Jubiläumswoche ein. Zum zehnjährigen Bestehen gibt es zehn Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment; am 9. September wird von 14 bis 17 Uhr rund um das Kaufhaus gefeiert.
Anna Eckart, Caritas Hamm
"Bei uns interessiert nicht, warum jemand Secondhand kauft", sagt Elisabeth Horn, Leiterin des FAIR-Kaufhauses. "Wer auf günstige Preise angewiesen ist, steht neben jemandem, der bewusst gebraucht statt neu kauft. Beide suchen vielleicht dieselbe Jacke. Es gibt keine Trennung - und damit auch kein Etikett."
Secondhand ist längst in der Mitte angekommen
Was heute selbstverständlich wirkt, hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Das FAIR-Kaufhaus richtet sich seit seiner Gründung an alle Bürger*innen, unterstützt aber insbesondere diejenigen, die mit wenig Geld auskommen müssen. Inzwischen hat sich die Kundschaft deutlich erweitert. Secondhand und Vintage sind populär geworden, der bewusste Umgang mit Ressourcen spielt beim Einkauf eine immer größere Rolle. Das zeigt sich auch im Laden: Jüngere und Ältere, Stammkundschaft und neue Gesichter stöbern gemeinsam zwischen Kleidung, Schuhen, Haushaltswaren und kleinen Fundstücken. Viele kommen aus Bockum-Hövel, längst zieht das Kaufhaus aber auch Kund*innen aus anderen Hammer Stadtteilen an.
Dieser Wandel stärkt einen Grundgedanken, der das Kaufhaus der Caritas Hamm von Beginn an prägt: Unterstützung soll möglich sein, ohne jemanden herauszustellen. FAIR wird deshalb nicht ohne Grund großgeschrieben - es steht für faire Preise und einen verantwortungsvollen Umgang mit Waren und Ressourcen. Wer an der Oswaldstraße einkauft, ist Kundin oder Kunde, ganz gleich, ob der Preis, die Suche nach einem besonderen Stück oder der Wunsch, Ressourcen zu schonen, den Ausschlag gibt.
"Gute soziale Arbeit schafft Teilhabe, ohne Menschen auf ihre Bedürftigkeit zu reduzieren", betont Caritas-Vorstand Elmar Marx. "In unserem FAIR-Kaufhaus wird genau das seit zehn Jahren gelebt. Dass Secondhand heute quer durch die Generationen selbstverständlich geworden ist, hilft dabei: Hier entscheidet nicht der Geldbeutel darüber, wer dazugehört."
Tausende Teile bleiben im Kreislauf
Wie viel Wiederverwendung im Alltag bewirken kann, zeigt ein Blick auf die Verkaufszahlen. Allein innerhalb von sieben Monaten fanden 5.043 Kleidungsstücke für Erwachsene, 1.141 Teile Kinderbekleidung und 1.098 Paar Schuhe Abnehmer*innen. Hinzu kamen 537 CDs und 115 Schallplatten.
Jedes weitergenutzte Stück verlängert seinen Lebenszyklus und schont Ressourcen. Gut erhaltene Waren werden weiterverkauft, statt vorzeitig entsorgt zu werden. Was nicht direkt verkauft werden kann, wird - soweit möglich - weitergegeben oder einer weiteren Verwertung zugeführt. Wiederverwenden statt wegwerfen gehört seit Langem zum Selbstverständnis des FAIR-Kaufhauses.
50 Ehrenamtliche - 20 seit der ersten Stunde
Dass an 21 Stunden in der Woche sortiert, eingeräumt, beraten und verkauft werden kann, ist vor allem dem ehrenamtlichen Team zu verdanken. 50 Engagierte halten den Betrieb gemeinsam am Laufen, jeweils fünf bis sieben von ihnen in einer dreistündigen Schicht. Rund 55 bis 70 Kund*innen kommen durchschnittlich während einer solchen Schicht. Zum zehnten Geburtstag rückt eine Zahl besonders in den Mittelpunkt: 20 der Ehrenamtlichen sind seit der ersten Stunde dabei.
"Zehn Jahre Ehrenamt kann man kaum in Stunden zählen. Dahinter stecken Verlässlichkeit, unzählige Begegnungen und vor allem die Entscheidung, Woche für Woche wiederzukommen. Dass 20 unserer Ehrenamtlichen diesen Weg vom ersten Tag an mitgehen, ist alles andere als selbstverständlich", sagt Horn.
Das Jubiläum gehört deshalb auch denen, die das FAIR-Kaufhaus seit Jahren tragen. Am 9. September werden die 20 Ehrenamtlichen der ersten Stunde bei einer Feier im Pfarrheim Christus König besonders geehrt. Am Nachmittag öffnet sich die Feier dann für alle: Von 14 bis 17 Uhr sind Kund*innen,Wegbegleiter*innen und Interessierte ins FAIR-Kaufhaus und in die Passage an der Oswaldstraße eingeladen.
Eine Woche zum Mitfeiern
Auch rund um den Jubiläumstag gibt es einen Grund vorbeizukommen: Vom 7. bis 11. September erhalten Kund*innen zehn Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment. Am 9. September gibt es zusätzlich Glücksrad, frische Waffeln, Kaffee und Kaltgetränke - und viel Gelegenheit für Begegnungen und Geschichten aus zehn Jahren FAIR-Kaufhaus.
Das FAIR-Kaufhaus in der Oswaldstraße 21 in Bockum-Hövel wird von der Caritas Hamm in Kooperation mit der Kirchengemeinde Heilig Geist und ihren Caritaskonferenzen getragen. Gut erhaltene Kleidung, Haushaltswaren und vieles mehr werden dort zu fairen Preisen angeboten. Überschüsse aus dem Verkauf fließen nach Deckung der Kosten in die caritative Arbeit und kommen damit wiederum Menschen in Bockum-Hövel zugute.