Denn oft geht es um mehr als Organisation: Es geht darum, nicht allein zu bleiben. Und darum, eine Unterstützung zu sichern, die zunehmend unter Druck gerät.
Gemeinsam den Überblick behalten: Caritas-Lotsin Bärbel Markus (rechts) unterstützt Gisela Dybek bei organisatorischen Fragen des Alltags. Die ehrenamtlichen Caritas-Lotsen begleiten ältere Menschen in Hamm dabei, möglichst lange selbstständig zu bleiben.Anna Eckart, Caritas Hamm
Auf dem Tisch liegt Post von Behörden und Versicherungen. Caritas-Lotsin Bärbel Markus (69 Jahre) aus Hamm setzt sich dazu, nimmt ein Schreiben nach dem anderen in die Hand, liest, erklärt, ordnet. Schritt für Schritt entsteht Übersicht. Aus Unsicherheit wird Klarheit - und aus Aufschieben wieder Handeln. "Früher habe ich vieles liegen lassen, weil ich nicht wusste, wo ich anfangen soll", sagt Gisela Dybek. "Jetzt gehe ich die Dinge wieder an."
Unterstützung im Alltag
Die Verbindung zwischen den beiden entstand über den Sozialdienst im Krankenhaus. Seit 2023 begleitet Bärbel Markus sie regelmäßig als Lotsin. Im Mittelpunkt stehen keine großen Maßnahmen, sondern konkrete Schritte im Alltag: Unterlagen ordnen, Anträge vorbereiten, Termine im Blick behalten. Dabei geht es nicht darum, Aufgaben abzunehmen. "Wir schauen gemeinsam, was ansteht", sagt die ehemalige Verwaltungsangestellte. "Und dann gehen wir es Schritt für Schritt an."
Was sich dabei verändert, ist oft leise - aber entscheidend: Entscheidungen fallen leichter, Fristen werden eingehalten, Abläufe werden verständlich. Der Alltag bleibt überschaubar - und vor allem eigenständig gestaltbar.
Wachsende Nachfrage, neue Herausforderungen
Was bei Gisela Dybek sichtbar wird, steht für viele ähnliche Situationen in Hamm. Die Anfragen an die Caritas nehmen zu - nicht nur von älteren Menschen selbst, sondern auch von Angehörigen, die zwischen Beruf, Familie und Pflegeverantwortung an ihre Grenzen kommen. Allein im vergangenen Jahre wurden mehr als 200 Menschen mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben - Tendenz steigend.
"Wir erleben oft, dass hinter den praktischen Fragen etwas anderes steckt", sagt Ulrike John, Projektverantwortliche bei der Caritas Hamm. "Viele Menschen sind allein mit ihren Themen. Wenn dann jemand da ist, der zuhört und begleitet, verändert das mehr als nur den Alltag." Der steigende Bedarf hat auch strukturelle Gründe: Seit Jahren gilt der Grundsatz "ambulant vor stationär". Ältere Menschen sollen möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben. Was nach Selbstbestimmung klingt, führt in der Realität häufig zu wachsender Isolation. Mit abnehmender Mobilität und weniger sozialen Kontakten steigt die Einsamkeit - und damit auch die Belastung im Alltag. So entsteht eine Lücke, die viele spüren, aber nur wenige schließen können: Der Wunsch, zu Hause zu bleiben, wächst - die Unterstützung im Alltag jedoch nicht im gleichen Maß.
Angebot nicht selbstverständlich
Genau hier setzen die Caritas-Lotsen an. 14 Ehrenamtliche begleiten Seniori*nnen individuell - im Alltag, bei organisatorischen Fragen und in persönlichen Gesprächen. Bisher konnte die Caritas Hamm das Projekt durch Eigenmittel und Spenden tragen. Doch mit dem steigenden Bedarf gerät diese Grundlage zunehmend ins Wanken. Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung - gleichzeitig wird es schwieriger, diese Begleitung verlässlich zu sichern.
"Die Nachfrage nach den Caritas-Lotsen steigt seit Jahren", sagt Ulrike John. "Damit ältere Menschen weiterhin verlässlich begleitet werden können, brauchen wir langfristig tragfähige Strukturen. Denn diese Unterstützung lebt nicht nur vom Engagement unserer Ehrenamtlichen, sondern auch von den Rahmenbedingungen, die ihre Einsätze möglich machen."
Strukturen sichern, Begleitung ermöglichen
Was hier entsteht, ist nicht selbstverständlich. Es braucht Zeit, Verlässlichkeit - und Strukturen, die diese Begleitung tragen. Im Hintergrund sorgt eine hauptamtliche Koordination dafür, dass Einsätze abgestimmt werden, Ehrenamtliche begleitet werden und Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Diese Grundlage zu sichern, wird zunehmend herausfordernd.
"Damit ältere Menschen nicht allein bleiben und ihren Alltag weiterhin selbstständig gestalten können, braucht es mehr als guten Willen", sagt Ulrike John. "Es braucht verlässliche Strukturen im Hintergrund, die diese Begleitung möglich machen." Die Caritas Hamm setzt sich dafür ein, diese Begleitung auch künftig verlässlich anzubieten - damit Menschen wie Gisela Dybek weiterhin Unterstützung finden, wenn sie gebraucht wird.
Über die Caritas-Lotsen in Hamm
Die Caritas-Lotsen sind ein ehrenamtliches Unterstützungsangebot für ältere Menschen in Hamm. Aktuell engagieren sich 14 Lots*innen im Alter zwischen 46 und 76 Jahren, die Senior*innen aus Hamm im Alltag begleiten - etwa bei Anträgen, Arztbesuchen oder organisatorischen Fragen. Ziel ist es, Selbstständigkeit zu erhalten und Orientierung zu geben. Das Projekt wird durch eine hauptamtliche Koordination begleitet.
Die Ehrenamtlichen bringen dabei ganz unterschiedliche Lebens- und Berufserfahrungen ein. Viele von ihnen sind frisch im Ruhestand und möchten ihre Kompetenzen weiterhin sinnvoll einsetzen - darunter ehemalige Führungskräfte, Fachkräfte aus sozialen Berufen, Handwerker oder Kaufleute.
Aktuell engagieren sich sechs Frauen und acht Männer, die ihre Unterstützung individuell dort einbringen, wo sie gebraucht wird. Weitere Informationen zum Projekt und wie Sie es unterstützen können: www.caritas-hamm.de/spenden/caritas-lotsen