Heute steht fest: Die Entscheidung war kein kurzfristiger Imageimpuls, sondern der Auftakt zu einem Kulturwandel, der an Dynamik gewinnt - und noch lange nicht zum Stillstand kommt. Und: der nicht so schnell wieder abbremst.
Nachhaltige Mobilität bei der Caritas Hamm: Imke Friedrich (links), stellvertretende Fachbereichsleitung Soziale Dienste, und Nicoletta Blank (rechts), Koordinatorin Integration durch Ehrenamt, sind mit ihren Dienst-E-Bikes unterwegs. Nicoletta nutzt ihres für Beratung, Netzwerktreffen und Fahrradkurse – ein praktisches Beispiel gelebter Nachhaltigkeit. Eckart, Anna
Eine volle Tasche am Lenker, der nächste Termin im Kopf und Wind im Gesicht: Wer Nicoletta Blank kennt, weiß - hier ist jemand unterwegs, der etwas bewegen will. Als Koordinatorin der Integrationsarbeit durch Ehrenamt bei der Caritas Hamm ist sie viel in der Stadt unterwegs. Zu Beratungsgesprächen, zu Projekten, zu Menschen. Seit 2024 fährt sie dabei fast ausschließlich mit dem Rad - einem Dienstrad, das ihr die Caritas im Rahmen ihres Mobilitätskonzepts bereitstellt. Für Nicoletta ist das mehr als praktisch: "Ich bin ständig unterwegs - und mit dem Rad geht das nicht nur schnell und flexibel, sondern fühlt sich auch einfach richtig an", sagt sie. "Man merkt, wie sich der Blick auf Mobilität verändert - bei uns im Team, bei den Frauen in den Kursen, bei mir selbst. Und wenn ich Kolleginnen sehe, die früher nie Rad gefahren sind und heute mit Helm zur Arbeit kommen, weiß ich: Da passiert etwas."
Mobilität neu denken - und leben
Was bei Nicoletta längst Alltag ist, ist Teil eines größeren Wandels: Die Caritas Hamm hat sich auf den Weg gemacht, Mobilität in der Sozialwirtschaft neu zu denken - nachhaltiger, gesünder und alltagsnäher. Der Impuls dafür kam bereits 2022, im Rahmen eines Projekts zur Entwicklung eines umfassenden Mobilitätskonzepts. In Zusammenarbeit mit BAUM-Consult aus Hamm wurden damals zentrale Themenfelder identifiziert - von E-Mobilität über Ladestrukturen bis hin zur Förderung von Fahrradnutzung im Berufsalltag.
Schnell war klar: Gerade das Fahrrad hat enormes Potenzial - sowohl für die ökologische Bilanz als auch für die Lebensqualität der Mitarbeitenden. Daraus entstand im Folgejahr eine bereichsübergreifende Arbeitsgruppe, die sich gezielt der Fahrradfreundlichkeit widmete. Orientiert an den Kriterien des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) entwickelte das Team ein praxisnahes Konzept, das heute Schritt für Schritt umgesetzt wird.
Radfahren als Benefit - Dienst-E-Bikes und Jobrad-Leasing
Schon die erste Standortanalyse bestätigte es: Viele Mitarbeitende der Caritas Hamm wohnen in unmittelbarer Nähe zu ihrem Arbeitsplatz - ideale Voraussetzungen also, um Wege mit dem Fahrrad, statt mit dem Auto zurückzulegen. "Fahrradfreundlichkeit ist für uns kein Etikett, sondern eine Haltung", sagt Imke Friedrich, stellvertretende Fachbereichsleitung Soziale Dienste. "Wir wollen Bedingungen schaffen, die das Radfahren im Arbeitsalltag einfach, sicher und attraktiv machen - für alle."
Dafür sorgt die Caritas Hamm mit einer Reihe gezielter Maßnahmen: Alle Einrichtungen wurden mit stabilen Fahrrad-Bügeln ausgestattet - elf weitere sind bereits in Planung. Auf überdachte Stellplätze wurde bewusst verzichtet, um einfache und alltagstaugliche Lösungen zu schaffen. Zusätzlich stehen an vielen Standorten Reparatursets bereit, mit denen kleinere Pannen direkt vor Ort behoben werden können.
Ein praktisches Beispiel: Am Caritas-Altenheim St. Josef wurde ein abschließbarer Fahrradstellplatz mit Zugangstor eingerichtet - ein geschützter Bereich, der zeigt, wie die Caritas auch auf Einrichtungsebene konkret in sichere und fahrradfreundliche Rahmenbedingungen investiert.
Ein zentraler Bestandteil des Mobilitätskonzepts ist die Bereitstellung von Dienst-E-Bikes, die für Arbeitswege und dienstliche Fahrten genutzt werden können. Viele Mitarbeitende engagieren sich außerdem beim "Stadtradeln" und profitieren von einem Belohnungssystem für regelmäßiges Radfahren. Im vergangenen Jahr nutzten allein im Beratungszentrum über 15 Mitarbeitende das Angebot und legten dabei mehr als 700 Kilometer klimafreundlich zurück - Strecken, die zuvor mit dem Auto gefahren wurden.
Darüber hinaus bietet die Caritas Hamm ihren Mitarbeitenden ein attraktives Leasingmodell für sogenannte "Jobräder" an. Diese können auch privat genutzt werden - vom Arbeitsweg bis in die Freizeit. Das Modell ist finanziell attraktiv, unkompliziert und wird von vielen Mitarbeitenden gerne in Anspruch genommen - ein weiterer Baustein des Kulturwandels hin zu mehr umweltbewusster Mobilität.
Weiter auf Kurs - Nachhaltigkeit mit Rückenwind
Nicoletta Blank ist längst Teil dieser Bewegung und inspiriert andere, auch ganz praktisch: In ihren Fahrradkursen für Frauen mit Fluchtgeschichte legt sie gemeinsam mit den Teilnehmerinnen die ersten Meter auf zwei Rädern zurück. "Radfahren bedeutet Freiheit. Wer fahren kann, findet schneller seinen Platz - im Straßenverkehr und im Leben." Dass diese Haltung wirkt, zeigen die Zahlen: Im Caritas-Beratungszentrum, Nicolettas Dienstsitz, wurden im vergangenen Jahr fast 200 Dienstfahrten mit dem Rad unternommen - Wege, die früher mit dem Auto gefahren wurden.
Und es geht weiter: Drei weitere Einrichtungen der Caritas Hamm sind bereits mit E-Bikes ausgestattet, weitere Standorte sollen folgen. Das Leasingangebot stößt auf großes Interesse, neue Ideen liegen auf dem Tisch - von Radservice-Aktionen bis zu Fahrradtagen. Denn wer einmal Fahrt aufgenommen hat, will nicht mehr bremsen. Die Caritas Hamm tritt weiter in die Pedale - gemeinsam, zielgerichtet und mit Rückenwind.