30 bis 35 Bedürftige sind es jeden Tag. Für 50 Cent gibt es dort eine warme Mahlzeit, oft ein Lächeln und nette Worte - 365 Tage im Jahr.
Drogenabhängige, Alkoholsüchtige und Menschen, die durch soziale Netze gefallen sind, kommen regelmäßig in den Raum an der Brüderstraße. Oder solche, die nicht mehr kochen können, weil ihnen der Strom abgestellt wurde.
Getragen wird die Franziskusküche vom Caritasverband Hamm. Sie lebt aber ausschließlich von Spenden und vielen ehrenamtlichen Helfern. 200 sind es durchschnittlich, die sich dort engagieren. Seit vielen Jahren ist Momme Huber schon dabei. Alle vier Wochen kommt er für eine Woche in die Brüderstraße und hilft. Da sein, wo man gebraucht wird. Mit seinen Fähigkeiten helfen zu können sind einige der Beweggründe, sich zu engagieren.
Klare Ansagen und aufrichtige Worte, das sind die Markenzeichen von Momme Huber, und dafür wird er von den Menschen, die kommen, geschätzt. "Die, die kommen, haben schon viel Leid erlebt und leben am Existenzminimum", weiß Huber. Soziale Kälte wird in der Franziskusküche mit einfachen Dingen begegnet. Huber: "Oftmals reicht ein Lächeln oder ein freundliches Wort bei der Essensausgabe. Die Dankbarkeit in den Augen der Besucher ist durch nichts zu ersetzen".

Bild: "Oftmals reicht ein Lächeln oder ein freundliches Wort bei der Essensausgabe", sagt Momme Huber (rechts), der sich ebenso wie Schülerin Mattea Mentges in der Franziskusküche des Caritasverbands Hamm engagiert. (WA Szkudlarek)
Diese Erfahrung hat auch schon Mattea Mentges gemacht. Die Schülerin engagiert sich erst seit kurzem in der Franziskusküche. Durch ein Schulpraktikum ist sie auf die Arbeit aufmerksam geworden und hat sich als ehrenamtliche Helferin gemeldet. "Es tut gut, hier zu helfen", macht sie deutlich. Da hinterfrage und reflektiere man auch eigenes Handeln. Die Armut, die sie hier in der Franziskusküche erlebe, sei manchmal deprimierend, doch seien die Gespräche mit den Besuchern fast immer
nett. Mentges: " Während ich zuvor Angst hatte, an Gruppen von Obdachlosen vorbeizugehen, fällt es mir nun leichter." Schnell habe sie gemerkt, dass hinter jedem Besucher der Küche ein Schicksal stecke. Manchmal selbst verschuldet, manchmal eben nicht.
Geleitet wird die Franziskusküche von Elisabeth Wulf. "Viele, die zu uns kommen, sind in einer ausweglosen Situation und leben am Existenzminimum", sagt sie. Die Küche gibt es in Hamm schon seit 1994. Damals wurde sie als Armenküche gegründet. Diese stigmatisierende Bezeichnung wurde später durch den Namen "Franziskusküche" abgelöst.
"Der Heilige Franz von Assisi ist Schutzpatron der Armen. Die Küche befindet sich in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Franziskanerkloster und zur heutigen Franziskanerstraße. Und Papst Franziskus ruft der Kirche neu ins Gedächtnis, dass sie eine Kirche der Armen ist", erläutert Wulf die Namensgebung. In den Anfangsjahren war die Küche gedacht als klassisches Angebot für Obdachlose. Inzwischen kommen täglich bis zu 35 Gäste.
Gekocht wird das Essen jeden Tag frisch im Marienhospital. Durchschnittlich kostet ein Essen rund drei Euro, die Besucher der Franziskusküche beteiligen sich daran mit 50 Cent, um die Wertigkeit der Mahlzeit zu verdeutlichen. Egal, wer kommt, er bekommt Essen. Niemand wird nach einem Nachweis seiner Bedürftigkeit gefragt, keiner wird kontrolliert.
Erst kürzlich hat eine ehrenamtliche Mitarbeiterin ihren ehemaligen Chef bedient. Er hatte vor Jahren Geld unterschlagen. Seine Ehe wurde später geschieden, der soziale Abstieg begann. Heute lebt er auf der Straße und ist froh, mittags ein warmes Essen zu bekommen. Es ist aber nicht nur die warme Mahlzeit, die die Gäste anlockt. Es ist die Herzlichkeit und die Wärme, mit der sie von den ehrenamtlichen Helfern aufgenommen werden. Durch sie werde Caritas im wahrsten Sinne des Wortes gelebt. Denn Caritas steht für Hochachtung, Wertschätzung und Nächstenliebe. Auch wenn das große Worte sind, sind sie es doch, die Momme Huber, Mattea Mentges und viele andere Helfer antreiben, sich für Bedürftige zu engagieren - manchmal auch über deren Tod hinaus. Einige der Gäste, die regelmäßig kommen, haben keine Angehörigen mehr. Erfahren die Caritas Helfer von ihrem Tod, dann gehen sie auch zur Beerdigung.
Helfer werden immer wieder gesucht. Inzwischen gibt es bei der Sparkasse und den Stadtwerken Teams, die die eigene Mittagspause nutzen, um das Essen für Bedürftige auszugeben. Über weiteres Engagement würde sich das Helfer-Team freuen. Finanzielle Unterstützung gibt es auch durch viele Organisationen. Erst kürzlich hatte der Lions Club Hamm-Hammona 10 000 Euro gespendet.

Am Heiligen Abend gab es für alle Gäste noch eine besondere Bescherung. Nach dem Essen in der Franziskusküche ging es von der Brüderstraße in die Franziskanerstraße. Dort fand eine Weihnachtsfeier statt, die sich inzwischen etabliert hat. Nach einer bewusst kurz gehaltenen Andacht gab es Kaffee, Tee und Kuchen sowie eine Geschenketüte - gefüllt mit gestrickten Socken, Christstollen. Nach der Feier ging es wieder auf die Straße. Und eines ist ganz gewiss: Am 1. Weihnachtstag gibt es wieder ein warmes Essen. Zwischen 12 und 13 Uhr. In der Drobse, oder der Kantine. In der Franziskusküche. (WA A. Wartala)