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Stand: 29.12.2016

Aktuelles

„Little Homes“ sind keine Lösung

Mit dieser Initiative hat Humanitas-Gründer Werner Kassen zweifelsohne eine wichtige Diskussion angestoßen. Dabei hat er ganz konkrete Personen vor Augen, die regelmäßige Kunden im Laden von Humanitas sind und die sich an den bekannten Szene-Treffpunkten in der Innenstadt aufhalten.

Die entscheidende Frage, um die es in dem angestoßenen Diskussionsprozess aus unserer Sicht geht, lautet: Wie können Menschen in Hamm, die aufgrund einer erheblichen Suchtproblematik und/oder psychischen Erkrankung unter extremen Verwahrlosungserscheinungen leiden, so weit stabilisiert werden, dass sie dauerhaft im festen Wohnraum leben können?

Vorstellung der Little Homes - Holzhütten für Obdachlose

Eine entscheidende Voraussetzung ist die ganz persönliche Bereitschaft der jeweiligen Personen, sich auf Hilfe und Beratung einzulassen. Es gehört leider zum Krankheitsbild, dass dieser Personenkreis sehr häufig Hilfe ablehnt, sich ihr sogar hartnäckig entzieht, und sich mit seiner verwahrlosenden Lebenssituation arrangiert. Auch der von Humanitas benannte Personenkreis entzieht sich der Beratung und den Angeboten, ihre Lebenssituation zu verändern. Sind die Personen tatsächlich in den städtischen Notunterkünften gewesen, wo sie ein Dach über den Kopf haben und ihnen Beratungsangebote gemacht werden?

Little Homes sind aus unserer Sicht nicht die Antwort auf die Frage, wie sucht- und psychisch erkrankte Menschen dauerhaft an ein Leben in einer festen Wohnung herangeführt werden können. Sie tragen nicht zur vermeintlichen Humanisierung der Lebenssituation des hilfsbedürftigen Personenkreises bei - sie stabilisieren diese vielmehr und bergen ein erhebliches Gefahrenpotential. Neben den nicht ausreichend sicherzustellenden hygienischen Anforderungen, stellt insbesondere die Bauweise eine erhebliche Brandgefahr dar. Die Selbstentzündungsgefahr bei extrem suchterkrankten Menschen ist allein statistisch extrem hoch. Deshalb sieht das Konzept von Little Homes für deren Bewohner die Abstinenz von Alkohol und Drogen vor - eine für den angezielten Personenkreis völlig utopische Anforderung, die das Konzept ad absurdum führt.

Wir fragen uns auch, ob die Unterbringung in Holzhütten unserem gesellschaftlichen Anspruch an Menschenwürde entspricht? In unserer langjährigen Arbeit mit diesem Personenkreis haben wir gelernt, dass Hilfesysteme an ihre Grenzen stoßen und es immer Menschen geben wird, die keine Hilfe annehmen wollen oder können. Um den Menschen zu helfen, die veränderungsbereit sind, bräuchte es ein Konzept mit einer intensiveren Betreuung, für die es aktuell keine Ressourcen gibt. Es bräuchte auch mehr kostengünstigeren Wohnraum, dessen Fehlen aber ein Wohnungsnotfallkonzept nicht beheben kann. (Foto WA)

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